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Escapado - Initiale - LP (zeit014)
Triggerfish
Ein Rauschen und Flirren. Es wird immer lauter. 42 Sekunden lang. Dann dröhnt markerschütterndes Geschrei aus den Boxen. Gleichzeitig legen noisige Gitarren und ein hämmerndes Schlagzeug los. Moment, ist das wirklich die neuste Veröffentlichung des Grand Hotel van Cleef, dem Studenten Indie Pop Label Nummer Eins? Ja, ist sie. Die Band dazu heißt ESCAPADO, kommt aus Flensburg und rief 2005 mit ihrem Debüt "Hinter den Spiegeln" euphorische Reaktionen im deutschen Hardcore Untergrund hervor. Und schon damals bewiesen die Nordlichter mit Songs wie dem Titelstück, "Hier und jetzt", "Magnolien", "Abstand auf Distanz" oder dem auf Gesang und Akustikgitarre reduzierten "Endlosschleifen", dass ihnen das strikte Hardcore Korsett viel zu eng ist. Wohldosierte Aggression, Verzweiflung und moshige Rockparts trafen auf sensible, verspielte Gitarrenmelodien und einen emotionalen Gesang, der nie aufgesetzt oder anbiedernd wirkte. Diesem Konzept bleiben ESCAPADO auch auf "Initiale" treu. Die Lieder bäumen sich auf, steigern sich bis zum Höhepunkt. Oftmals gibt es davon gleich mehrere. Am besten und zugänglichsten ist der Vierer bei "Geschient", "Kommando MOSFET" und "Verbindung" - vielleicht das Highlight der Platte. Bei "Solange du weißt" verzichten ESCAPADO dann auf jegliches Geschrei liefern ihre Version einer Indie Rock Ballade ab. Im direkten Vergleich bietet "Hinter den Spiegeln" zwar eine höhere Hitdichte, doch "Initiale" wird sicherlich noch wachsen. Der Vorgänger benötigte schließlich auch ein paar Durchläufe, bis er richtig und mit Nachhall zündete. Deshalb gilt: Volle Punktzahl! Für die hochemotionale Musik sowieso. Aber vor allem für den Mut der Band, konsequent ihren eigenen Weg zu gehen und es sich dabei wohlmöglich mit der "eigenen Szene" und dem neuen Publikum, dem die Musik "zu hart" sein könnte, zu verscherzen. Dominik Singer
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Sweet Jane Music
Es sind dieser Tage nicht viele Bands, die sich am Hardcore verdingen, der mit deutschsprachigen Texten aufwartet. Es mag daran liegen, dass man sich mit aneinander gereihten Anglizismen etwaige Peinlichkeiten und Stolperfallen, die die deutsche Sprache ja unbestritten zu bieten hat, ersparen kann. Es ist ja nun auch so, dass Gefühlsdinge in englischer Sprache eben auch Interpretationssache sind. Man sieht: Möchte man sich als Band einen Rückzugsweg offen halten, dann singt man eben besser auf Englisch. Nun gibt es aber auch Bands, die einen solche Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen wollen. Ein Großteil dieser Bands scheitert an eingangs erwähnten Falltüren und Stolperfallen, einige Wenige jedoch schaffen den Absprung und liefern etwas fast schon Einzigartiges ab. Wir kennen da unsere Verdächtigen. Mit "Hinter den Spiegeln" lieferten die Flensburger Escapado vor fast genau zwei Jahren ein Debüt ab, das sich nicht nur in spielerischer Hinsicht als kleines Kunststück erwies, sondern eben auch in lyrischer. Rein musikalisch erinnert das Quartett an die Shai Hulud zu ihrer "Hearts Once Nourished With Hope And Compassion"-Phase, nur flechten Escapado auch sehr ruhige und getragene Interludes in ihre Songs ein und scheinen ihre Emotionen damit zu stauen, nur um sie wenig später komplett zu entladen. Das zweite Album "Initiale" ist alleine schon vom musikalischen Gesichtspunkt her ein Unikum im deutschsprachigen Raum. Melodisch stets ein wenig verquer wirkend, warten die Songs mit einer mal recht melancholischen, dann jedoch auch mit einer sehr wütenden Schlagseite auf. Songs wie "Was Du erwartet hast", "Coldblackdeathbloodmurderhatemachine" oder auch "Solange Du weißt" sind trotz der sehr eigenen Melodik wie aus einem Guss und schieben den Hörer von einem Extrem ins andere. Ob nun emotionales Tief oder Hoch – Escapado verstehen sich auf eine sehr ungewöhnliche und außergewöhnliche Darstellungsform des Hardcore. Escapado atmen auf "Initiale" nicht selten Shai Hulud, biegen und brechen Akkorde und dehnen Melodien. Das wirklich Erstaunliche ist der direkte Weg, den die Band zu gehen scheint. Es gibt eben keine Ausflüchte, sondern nur wütend ins Mikro geschrieene Wahrheiten. Obwohl es in den letzten beiden Jahren vermehrt – auch erfolgreiche - Versuche gab, musikalisch sehr amerikanisch wirkenden Hardcore mit deutschen Texten zu kombinieren – Escapado ziehen mit "Initiale" spielend an diesen Bands vorbei. Dennis Grenzel
www.sweetjanemusic.com
Yellow Is The New Pink
Many people will hate this record but most of them would have hated any record Escapado could have put out. While some might call it sell out that the record will be released partly through Grand Hotel Van Cleef, the label of Kettcar and Tomte, most haters simply hate the band itself. They hate that a band that is so unpretentious and free from clichés has so much success. When my old band played in Cologne and we simply mentioned the word “Escapado” people in the audience were cheering. How many bands in this country cause such reactions? Some haters might say that all those who love Escapado are just stupid kids who don’t know the real deal but they are so wrong. First of it is not just kids who love the band and then who are you to judge? Escapado really have an enormous presence on stage or on floors in front of stages and they really touch and move people if they only let them. Other haters might say the band was just a copycat and riding on a free rider wave. If so, why don’t they play stupid breakdown-uffta-breakdown metalcore or spaghetti screamo? No, this accusation is too easy and just not true. Escapado are truly unique in what they do. So what is it that they do? They play a brand of hardcore that is fuelled by emotion and a wall of sound as known from bands from Envy or Uranus with a drop of indie pop added. They are catchy as hell and masters of combining an army of guitar melodies to one big mega harmony. The amazing thing is they have only one guitarist but he really manages to reproduce this mayhem on stage as well. The whole record is midtempo in a good nod your head kind of speed. There are significantly more instrumental parts on this record compared to the one before. Hauke Albrecht, who recorded the band, called them “the Isis of hardcore” once. This comparison is not too far from the truth. Maybe this is one thing the haters hate: Escapado manage to combine worlds that don’t seem to fit together in a way that it fits perfectly. Sludge elements meet new school hardcore elements meet emo elements. Strangly there is no traditional screamo elements in the mix although it works out in a screamo context. Every single aspect of the band’s sound has improved since “hinter den spiegeln”. Guitar and bass lines, drumming, song structures, singing and screaming voice. Everything has improved significantly. So I don’t see no obstacles for this record to become a favourite of many people out there. There is only one thing I don’t like too much about it. The way Der Tante Renate mixed it is very good in a way. You can play this record on maximum volume and your ears won’t bleed because the sound is perfect. However this is the only problem I have. In a live situation Escapado are a really physical experience. You can feel them and the clean sound without many rough edges limits this physical experience. A little more noise would have been better in my eyes. Anyway, I wish the band good luck for their future and I hope the collaboration with Grand Hotel Van Cleef will work out. Personally I don’t know I would have taken the risk of working with a non-hardcore label. I honour Escapado’s courage and hope it was no mistake. They deserve any attention they could possibly get! Jan
www.yellowisthenewpink.com
Ox Fanzine # 74
“Flensburg, verdammt”, ESCAPADO sind einzigartig. “Hinter den Spiegeln” – ihr Debüt – war einmalig (ähnlich „The Shape Of Punk To Come“ von REFUSED) und ihr neues Album „Initiale“ ist es auch. Nicht nur national, nein, auch international sucht man vergebens nach etwas Vergleichbarem, das ähnliche Dramatik, Intelligenz und Wut in sich vereint. Es wäre leicht, etwas noch nie Dagewesenes wie sonst üblich mit THE MARS VOLTA zu vergleichen, doch bricht nun ein anderes Zeitalter an: „Initiale“ ist das „Relationship OF Command“ der jungen Band aus dem Norden. Es ist ein Album geworden, das von der Atmosphäre lebt, vom Laut und Leise. Es ist ein Album, das verdeutlicht, dass man Wut nicht in Moshparts packen muss, um druckvoll zu klingen. Ob man Songs wie „Coldblackdeathbloodmurderhatemachine“ mit seinem „Meine Hand wird zur Faust“-Teil in der Disco hören wird, wage ich zu bezweifeln. „Initiale“ ist kein leichtes Album – dafür aber ein nachhaltiges. „Das hier ist es wert / Hunderttausendmal wert“ durchgehört zu werden. Sebastian Wahle
www.ox-fanzine.de
Plastic Bomb
Einen mächtigen Bastard haben Escapado hier gezeugt, mein lieber Scholli. Ich bin hin und weg. Aber der Reihe nach.... Die Band aus dem heimischen Flensburg habe ich schon früher kennengelernt, über den guten Benni , der auch für das TRUST Fanzine schreibt. Später holte ich die Band mal zusammen für ein Konzert zusammen mit den brillanten KURHAUS (leider wohl R.I.P.) in den Ruhrpott. Live waren sie schon ein Erlebnis,obwohl ich mich zum damaligen Zeitpunkt immer noch nicht richtig mit dieser Art Musik angefreundet hatte. Nun, wie soll ich die Cd beschreiben? Kategorien wie Screamo, Emo, HC, die hier irgendwo alle gestreift werden, würden hier sicherlich nicht ausreichen. ESCAPADO sind da auch eher szeneuntypisch. Auf jeden Fall ist die Musik Verzweiflung und Wut pur. Brachial schreit das Quartett hier seine Emotionen raus, flankiert von dermaßen musikalischer Intensität, dass mir öfter mal eine Gänsehaut über den Rücken läuft. Andererseits ist das hier kein brutales Gemoshe, sondern kommt bei aller Härte noch sehr verspielt und vertrackt herüber. Was mich ein wenig verwundert hat, ist das CD-Label Grand Hotel van Cleef, dass ich sonst bisher nur mit musikalischen Schwerverbrechen wie TOMTE in Verbindung gebracht habe. Aber so kann man sich täuschen. Wenn man selbst schlechte Musik macht, heißt das ja noch lange nicht, dass man auch einen schlechten Geschmack haben muß...„Initiale“ ist für mich auf jeden Fall jetzt schon mal die Platte dieser Ausgabe, das hier dürfte nur noch schwer zu toppen sein. Übrigens, wer jetzt meint, ich pushe hier nur noch Flensburger Bands, dem kann ich mal ganz lecker den Stinkefinger zeigen, zumal ich mit der Truppe bis auf den einen Gig persönlich jetzt nichts am Hut hatte. Das wird sich aber ganz sicher ändern. Ich hoffe, ich habe Euch jetzt ein bisschen neugierig gemacht, und ihr geht in die Läden und kauft die Platte wie bekloppt.... Kuwe
www.plastic-bomb.de
Waste Of Mind Ezine
Obwohl das Escapado-Debüt "Hinter den Spiegeln" schon 2005 erschien, dauerte es eine Weile, bis die Platte auf einmal einschlug, der Untergrund auflauschte und seine neuen Helden gefunden hatte. Doch spätestens seitdem gelten die Flensburger als Szene-Lieblinge, als Garant für Qualität in Sachen deutschsprachiger Hardcore. So sehr "Hinter den Spiegeln" schon bewegte, so leicht man diese Platte ins Herz schließen konnte - wir haben 2007, der Nachfolger "Initiale" ist da und Escapado machen alles einfach noch einmal besser! Wir halten hier ein Hardcore-Album in unseren zittrigen Händen, da gibt es keine Diskussion. Aber dennoch hat sich die Band deutlich weiterentwickelt, das konnte man schon bei dem vorab veröffentlichten "Coldblackdeathbloodmurderhatemachine" hören. Die Stücke auf "Initiale" sind insgesamt atmosphärischer, es gibt im richtigen Moment Ruhe um kurz durchzuatmen, wenn gesungen werden muss wird gesungen, wenn der Bauch vor Wut zu platzen droht wird geschrien. Es gibt mehr Pop, der Anfang von "Geschient" klingt, als würde uns ein Indiepop-Stück vorgesetzt - und dann wird alles in der Luft zerrissen, aber auf Escapados Art. Da wird nicht sinnlos losgeprügelt, aber trotzdem Zorn rausgelassen. Escapado stehen noch immer in der Tradition von Bands wie Loxiran und Yage, weisen aber auch umso mehr Parallelen zu Kurhaus auf: Denn auch die Flensburger trauen sich viel mehr, als man mit eingeschränkter Sicht von einer Hardcore-Band erwartet. Vor allem an den Texten gibt es auch weiter nichts auszusetzen, die sind immer noch ehrlich und intelligent; rufen dann eben doch mal Erinnerungen an Kettcar und Tomte hervor. "Initiale" ist die Platte, zu der wir die Wände einrennen oder auf dem Sofa zusammengekauert heulen können. "Initiale" ist das Hardcore-Album 2007 und Escapado sind - wer hatte überhaupt noch Zweifel daran? - die beste deutschsprachige Hardcore-Band, die momentan unterwegs ist. "Worte können etwas bewegen..." Julius Stiebert
www.wasteofmind.de
Fuze Magazine # 6
Ich weiß nicht warum, aber der Satz „ESCAPADO veröffentlichen auf Grand Hotel van Cleef“ liest sich für mich fast schon so spektakulär wie „Der FC St. Pauli ist deutscher Fußballmeister“. Dennoch, so ist es. Die Szene reagiert vermutlich geschockt, und auch Renke Ehmcke, der mit seinem Label Zeitstrafe noch immer für die LP-Version des Albums zuständig ist, konnte seinen Unmut zunächst kaum verbergen, wie er im Kurzinterview weiter vorne im Heft augenzwinkernd durchblicken lässt. Doch die Aufregung darüber sollte schnell derjenigen um das neue Album weichen, denn das hat es in sich. Ausverkauf ist eh nicht zu befürchten und künstlerisches Verbiegen auch nicht, schließlich war „Initiale“ schon fertig, bevor Indie- Ikone Thees Uhlmann darauf aufmerksam wurde. Wenden wir uns also lieber dem Abfeiern des zweiten Albums der Band aus Flensburg zu. Es sind die gewohnten Gitarreneskapaden, die dir die Luft rauben, es sind die hinterlistigen Melodien, die dich unerwartet, aber umso nachhaltiger treffen, und es ist Helge Jensens ehrlicher Gesang, dem du die ganze Wut abnimmst, wenn er dir „deine Hand wird zur Faust“ oder „Worte können etwas bewegen“ entgegenschleudert. All das, was ESCAPADO schon auf „Hinter den Spiegeln“ ausgemacht hat, ist noch da, nur eben besser. Das Gebrüll und die mörderisch lauten Gitarren können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich hinter den Lärmwänden großartige Melodien verbergen, auch wenn Gitarrist Saep Henkelmann nicht gerne zugibt, dass er eigentlich in einer Pop-Band spielt: „Dann schau dir halt mal ein Konzert von MARITIME an und danach eines von uns, dann bemerkst du den Unterschied schon.“ Trotzdem die Frage: Ist das wirklich noch Hardcore? Immerhin hat die Band selbst inzwischen auf ihrem MySpace-Profil das Wort „Indie“ davor gesetzt. Zum Glück, denn „eines der besten Indie-Alben des Jahres“ klingt doch wesentlich bedeutender als „eines der besten Hardcore-Alben des Jahres“, oder etwa nicht? Wie auch immer, Glückwunsch zur Meisterschaft. (Grand Hotel van Cleef/Zeitstrafe/Indigo) Christian Meiners
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Visions # 175
Zwei Jahre nach ihrem Debüt haben Escapado ein überraschendes Label und der deutsche Hardcore endgültig seine Helden gefunden. Eine Stadt, grau, Flensburg vielleicht. Dunkle Wolken über Arbeitslosen, asphaltierte Tristesse bis zum Horizont. Auf einem Hausdach steht einer und schreit, schreit sich Wut und Verzweiflung aus dem Magen, dann singt eine Stimme aus der dunkelsten Ecke der Jugendherberge weiter. Auf dem Brückengeländer steht jemand und spricht. Es ist ganz ruhig. Bis plötzlich der nächste Wolkenkratzer einstürzt, der U-Bahn-Tunnel hinter dem davonrasenden Zug zusammenbricht, Staub und Steine wie Geschosse fliegen. Der Rauch hat sich noch nicht verzogen, als Magnolien die Trümmer durchbrechen und wie irre wachsen. „Sie werden alle gehen“, prophezeit die Stimme. Escapado sind zwei Jahre nach ihrem auf zwei Kleinstlabels veröffentlichten Debüt mit neuem Album zurück; das Grand Hotel hat vier Matratzen ins Wohnzimmer gelegt. Und so unwahrscheinlich die Labelwahl, so stilsicher der längst berüchtigte Escapado-Sound, der schon mit „Hinter den Spiegeln“ den besseren Teil der Hardcore-Szene beeindruckte. In der Tradition von Yage bis Kurhaus und dabei unverkennbar eigen brechen sich Frontmann Helge und seine Band so emotional wie radikal den Weg frei, werfen einige der klügsten deutschsprachigen Texte seit langem an die Mauern („Deine Stimme zerschneidet das letzte Vertrauen, deine Hand wird zur Faust...“), lassen die Gitarren Amok laufen. In immer ausgefeilteren Arrangements verbreiten cleaner Gesang und Geschrei im Wechsel Angst und Hoffnung, während in Atemnähe die Boxen vor Wucht zittern. Das beste zweite Hardcore-Album des Jahres. Britta Helm
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