BACK
Escapado / Peters. / Bratze - Split - 10" (zeit018)
Bizarre Radio
Mal was neues: Dreier-Splits sieht/hört man selten, schon gar nicht wenn die drei beteiligten aus den verschiedenen Lagern Indie, Hardcore und elektronische Tanzmusik kommen. Das Konzept: Escapado und Peters steuern jeweils einen Song bei, Bratze remixen je einen Song aus dem Repertoire der anderen Bands und um es zu einer richtigen Perle werden zu lassen erscheint das ganze nur auf Vinyl bei Zeitstrafe. Klingt super, ist es auch. Escapados Beitrag zur Split ("Wir werden uns noch sehen") ist ein bisher unveröffentlichtes Stück aus den "Initiale"-Sessions und schlägt auch in genau jene Kerbe: Emotionaler Hardcore ohne Klischeebreaks, ohne unpassendes Metalcore-Gegniedel, ohne Kajal und alberne Frisuren. Stattdessen klarer Gesang, der einen gewohnt tollen Text auf die mächtigen Gitarrenklänge fädelt. Die Bratze-Version von "Verbindung" ist in jeden Fall ein Novum, zumindest fällt mir kein Hardcore-Song ein der schon mal im Elektro-Stil verwurstet worden ist. Experiment geglückt, der Remix fährt genau so in die Beine wie das Original in den Nacken. Das ebenfalls bisher unveröffentlichte Stück von Peters trägt den Namen "Der letzte Tag", und angesichts der Tatsache, dass es der letzte Song ist, den Peters vor ihrer Trennung veröffentlicht haben, schwingt eine leichte Tragik mit. Kreativer Indierock mit Punkattitüde, hätte auch prima aufs letzte Album gepasst. Bratze wiederum schnappen sich "Letzte Chance vorbei", den besten Song jener Platte, und formen daraus einen hyperaktiven Tanzflächen-Smasher. Nochmal super, das Remixen können die bekloppten Hamburger also auch. Eine tolle Idee, eine unglaublich schicke Umsetzung in dekorativer Kuchenoptik und ein die Platte umwehender, Vinyl-induzierter DIY-Spirit - da lacht das Herz des Liebhabers. Ebenso wie die Beinmuskulatur, wenn man wie von Zauberhand immer wieder zum Plattenspieler rennt um nochmal die andere Seite zu hören... 13 von 15 Punkten. Benedikt Ernst
www.bizarre-radio.de
Ox Fanzine # 81
Eigentlich sollte diese Review mit einem Fußballvergleich anfangen, aber wo findet man auf der Welt noch drei sympathische und spielstark auftretende Superklasse-Mannschaften, die man hier zum Vergleich heranziehen könnte? ESCAPADO jedenfalls schicken eine B-Seite ihres, man kann schon sagen, Durchbruchalbums "Initiale", nämlich "Wir werden uns noch sehen", in die erste Halbzeit und werden prompt von BRATZE geremixt. CLICKCLICKDECKER und DER TANTE RENATE verraven "Verbindung" und können damit schon das zwei zu null gegen den argwöhnischen Hörer verbuchen. Zweite Halbzeit, zweite Plattenseite. PETERS beginnen spielstark und zeigen, was sie in der neuen Hamburger Schule als Sitznachbarn von MATULA so gelernt haben. Nicht schlecht für ein viel versprechendes Nachwuchstalent, das seine Profikarriere schon früh wieder beendet hat: Die Band löste sich überraschend auf. Trotzdem lautet der neue Spielstand drei zu immer noch null. Den haushohen Sieg macht noch mal der "Joker" BRATZE mit einem Remix von PETERS ("Letzte Chance vorbei") perfekt. Am Ende kann man sagen, dass die Platte immer noch rund, der Norden immer noch ganz weit vorne in der deutschen Musikszene und diese Split eine wirklich gelungende Sache geworden ist. Das soll denen erstmal einer nachmachen! (8) Sebastian Wahle
www.ox-fanzine.de
Visions # 190
Ten-Inch-Vinyl der drei. Verschieden sind sie ja... Doch es fängt großartig an. "Wir werden uns noch sehen" passte wohl nicht ins "Initiale"-Konzept des fließenden Albums. Trotzdem ein toller Escapado-Song. Schwungvoll, toll produziert, Höhen Tiefen. Bratze machen sich danach über Escapados "Verbindung" her. Ein bisschen zerfetzt, die Vocal-Original-Stückchen fügen sich erst im Refrain ins Bild. Der allerdings geht ab. Peters stimmen "Der letzte Tag" an, sie haben sich schließlich aufgelöst. Gutes Stück, die Vocals muss man nicht mögen, aber passt. Ihre zweite Remix-Chance nutzen Bratze dann gut: "Letzte Chance vorbei" ist stimmig interpretiert, gemein und hart. Wie lange hat eigentlich keiner mehr etwas in die Auslaufrille gekritzelt? Haben wir vermisst. Das Artwork zitierend wird sich darüber beschwert, es gebe wieder mal nur Kuchen. Dafür immerhin veganen! Zeitstrafe bleibt zwingend. Philipp Welsing.
www.visions.de