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| Matula - Blinker - LP/CD (zeit023) |  |
| Visions # 208 | | Der Stimmung nach: eine Platte wie nach einem Streit. Ist ja auch alles egal – man besinnt sich lieber wieder auf das, was zählt. Für Matula: tolle Gitarren und lakonische Vocals. Lakonisch, weil sie auf große Eskapaden verzichten. Sänger Tobbe holt alle zurück auf den Boden, die glauben, sich immer ganz besonders echauffieren zu müssen. Das hat viel Tröstliches, ein wenig Weises und klingt eigentlich immer angenehm. Dummerweise bekommen die, die wie verrückt nach Aufmerksamkeit schreien, sie am ehesten. Kenner verlassen sich trotzdem lieber auf Matulas Art, die Welt Welt sein zu lassen und lieber mal zu schauen, auf welche Weise man den ganzen Schmarrn Leben erträglicher gestalten könnte. Tobbe klingt dabei wie Chuck Ragan, der seinem besten Freund mal etwas leiser ein Lied ins Ohr singt. Die Texte zielen auf den grummelnden Magen. Diese seltsame Romantik, zwischen angepisst und stolz auf ein Leben ganz nah an der See (Matula kommen aus Kiel), die manchmal auch Kurhaus, viel öfter aber noch Turbostaat nach außen tragen, blitzt auch auf Blinker durch. Ob es stimmt oder nicht – bei Strassen sieht man förmlich die Touristen-Massen pünktlich zu Saisonbeginn in einen ansonsten schönen Küstenort einfallen. Wie man nur schwach verzerrten Indie-Gitarren schöne Tonfolgen entlockt und trotzdem den Punk eintrichtert, das wissen Bands an Deutschlands Küste auch irgendwie besser als der Rest. Wenigstens gibt es da noch Hähne, die um fünf krähen, Hochhäuser, die nicht in die Umgebung passen, und das Telefon scheint auch eine etwas andere, ebenfalls romantischere Bedeutung zu besitzen. Warum sonst ist es so oft Thema auf Blinker? In diesem gemütlichen Spalt zwischen gewollter Melancholie und trotziger Zuversicht lässt es sich gut aushalten. Philipp Welsing
| | www.visions.de |  |  |  | | Nillson | | Anscheinend steht da jemand auf kurze Albentitel. Nach „Kuddel“ bringen Matula nun ihr zweites Album „Blinker“ raus. Und wer „Kuddel“ kennt und mag, wird von den vier Jungs aus Hamburg bzw. Kiel nicht enttäuscht werden. Zwar wird nichts neues geboten, aber bei denen ist das auch gut so. Es geht weiter mit poppig und schrammeligem, deutschsprachigem Punk, der schön warm klingt. Allerdings nicht so rumpelig und über Albumlänge homogener als auf dem Vorgänger. Auch die Stimme des Sängers Thorben hat sich weiterentwickelt. Sie ist rauer geworden. Das steht der Musik ziemlich gut. Wie die Texte auch. Diese handeln vom Scheitern im Leben, Festsitzen auf der Autobahn und den Polarforscher „Fridtjof Nansen“. Neben „Yacht“ mein Lieblingssong auf „Blinker“. Und überhaupt dreht sich in den Texten viel um Schnee und Wasser und auf meinem Plattenspieler „Blinker“. Denn es ist ein schönes Album geworden, das Matula vorgelegt haben. Und das nicht nur, weil ich den Vorgänger auch so mochte. Der musste bei mir allerdings wachsen, „Blinker“ hat mich sofort gekickt! Richard Redweik | | www.nillson.de |  |  |  | | Blueprint | | Geht doch kaum noch was rein in meine vollgepfropfte Schublade mit dem Schriftzug "deutschsprachiger Befindlichkeitspunk in gerne mal zweiter Person Singular mit Hang zur See-/Wasser-Metaphorik". Aber wenn die MATULESEN nachliefern, dann schichte ich da irgendwie was um. Die mag ich nämlich.
"Kuddel"s Nachfolger heißt "Blinker", klingt ungefähr haargenau so wie sein charmanter Vorgänger - der nun auch schon wieder über drei Jahre alt ist, Grundgütiger! - hat sich jedoch zu meiner großen Freude in einem Punkt weiterentwickelt: der Typ singt endlich richtig. Die MATULONIER scheinen ihre Meldodiephobie überwunden und lassen sich vom bösen Wort "Pop" nicht den Wind aus den Segeln nehmen. Weniger verschroben und deutlich eingängiger kommen so die zehn Chartbreaker daher. Um es mit Brisko Schneider zu sagen: "Das find ich toll, das find ich toll, das find ich toll". Denn der MATULANER kann Melodien. Ganz besonders zum Beispiel, wenn er in "Fridtjof Nansen" traurigschönem Schlussteil weise abwinkt: "Frag nicht nach Sonne, frag nach einer Winterjacke!". Eine kleine Überraschung auf dem ansonsten wieder sehr gleichförmigen Album ist auf jeden Fall der Quetschkommoden-Schunkelsong "Hammerbrook". Eine Hymne auf resignierende Katerstimmung und Unzufriedenheit mit sich selbst. Warum aber gerade Hammerbrook als Metapher? Ist es eine Hassliebeserklärung an diesen grauen Hamburger Stadtteil, in dem der Texter wohnt? Vielleicht ist es aber auch das böse Haltestellenschild, das man in der Früh erspäht, nachdem einem dämmert, dass man wohl mal wieder in der Bahn eingenickt ist. Bei mir hieße der Song dann Großlohe oder Pinneberg oder Ahrensburg-Ost. Dann auch noch in äußerst fragwürdigem Stolz die neuen Rekorde an erfahrene Mitstreiter smsen oder gar in Platten-Reviews einbauen. Spitzen-Lied jedenfalls zum rührseligen Mitschwofen. Den Rest des Albums prägt das altbekannte Schraddelschraddel und Tiedeldiedel der Gitarren zu einem nachvollziehbaren Stirnrunzeln über das Leben. Parallel zu "Kuddel" gibt es auf "Blinker" wieder eine kleine Hymne mit Crew-Chor zum Ausklang. "Karaoke" heißt diese, und sie kommt, wie schon "der Planet, der sich ohne Sinn um die Sonne drehte", eher süß daher. "Wir sind unzerstörbar" shouten sie diesmal und klingen dabei trotzdem irgendwie lieb. Eine Wut, die auf artverwandten Platten prägend ist, sucht man auf "Blinker" überhaupt vergebens. Hier geht es vergleichsweise besonnen zu und es dominiert eher Melancholie und ein Anflug von Humor zur Überwindung ebendieser. (Gewagte These - Heinz Strunk hat so mal die Tragikomik seiner Werke erklärt.) Und deshalb neige ich auf "Blinker" auch nicht dazu, obwohl es stets frisch nach vorne geht, euphorisiert den Finger in die Luft zu werfen. Darf man das eigentlich überhaupt noch mit 29? Auf Konzerten euphorisiert den Finger in die Luft werfen? Oder ist das bereits peinlich? Ab 30 darf man ja bei festlichen Anlässen auch keine schwarzen Chucks mehr zum Anzug anziehen, hab ich neulich gelernt. Da brächest du dir ja wohl "keinen Zacken aus der Krone". Ich brech DIR gleich `nen Zacken aus der Krone, Alder! Wie dem auch sei, MATULA legen mit "Blinker" sausympathisch nach. Sie verbrüdern sich einfach mit dir. Kumpelmusik. Kleine Fußnote noch: MATULA hieß ja nicht nur der anarchisch ermittelnde Haudrauf aus "Ein Fall für zwei", es steht gleichwohl für ein historisches Uringlas für die Harnschau. 100% punk-kompatibler Bandname. (sr) | | www.blueprint-fanzine.de |  |  |  | | Rock Spot | | Lange und von vielen sehnsüchtig erwartet erschien jetzt endlich die neue Matula-Scheibe. Die Jungs aus dem hohen Norden werfen nach mehr als zweieinhalb Jahren ihr zweites Album auf den Markt. Offiziell nennt man das ganze dann wohl „Emo-Punk“, aber Matula können viel mehr, was sie auch auf der neuen Platte beweisen. Wie auch auf dem ersten Longplayer schaffen Matula mit „Blinker“ den Spagat zwischen Gitarren-Post-Punk, der die Beine nicht stillhalten lässt und Lyrics, die manchmal kryptisch, aber immer straight-to-the-heart daherkommen.
Der eindringliche, angenehm unkonventionelle Gesang, der Assoziationen zum Stimmbruch zulässt, verliert auch in diesen zehn Songs keineswegs an Charme, auch wenn sich hieran die Geister scheiden könnten. Denn wer Tobbes Stimme zum ersten Mal hört, wird erstaunt sein – sie polarisiert, entweder man liebt oder man hasst sie. Wer beim ersten Hören keinen Zugang findet, sollte es noch mal probieren, die neue „Blinker“ hat es verdient. „…und wenn du auseinander fällst, dann hoffentlich vor dem Baumarkt.“ heißt es im Opener und der Hörer weiß in diesem Augenblick Bescheid, dass die vier nordischen Jungs einen würdigen Nachfolger für das erste Album „Kuddel“ geschaffen haben. In der nächsten knappen halben Stunde des Hörens wird sich dieser Eindruck manifestieren. Ob in „Fridjof Nansen“, „Strassen“ oder „Anruf“, Matula gelingt es immer den geneigten Hörer zu faszinieren, ohne zu langweilen. Und auch wenn der Vergleich mit Captain Planet unvermeidlich ist, findet die Band mit „Blinker“ ihren eigenen Platz in der Welt des deutschsprachigen emotionalen Punks. Ist mit „Hammerbrook“ zum ersten Mal ein für die Vier ungewöhnlich ruhiger Song zu hören, könnte das letzte Stück „Karaoke“ es unter Umständen schaffen, „4,8 Milliarden“ von der ersten Platte als Matula-Hymne, die das Live-Publikum bei jedem Konzert mehr als enthusiastisch mitbrüllt, abzulösen. Matula singen eben weiter „bis Land in Sicht ist“. Wollen wir hoffen, dass für die Jungs, zumindest in diesem Kontext, noch in weiter Ferne liegt. Zwar ist es etwas schade, dass auf den kurzen 31 Minuten, die die Platte umfasst, mit „Over the Top“ ein Titel vertreten ist, der schon auf der 2008 erschienen Split mit den inzwischen aufgelösten NeinNeinNein hörbar war, darüber kann aber wohlwollend hinweggesehen werden. Und das machen die Jungs einem leicht, denn Matula machen auf „Blinker“ das, was sie können: Musik, die ins Ohr, ins Bein und eben auch ins Herz geht. Und das können sie verdammt gut. Linda Wendisch | | www.rock-spot.de |  |  |  | | Allschools | | 3 Minuten 30 drehen an der Welt. MATULA hatten schon auf „Kuddel“ das große Talent als ihr Eigen verbucht, augenscheinliche Kleinigkeiten in unauffällige Weltherrschaftstexte zu verpacken und vermögen das auch auf ihrem zweiten Album „Blinker“ zu vollziehen. Vielleicht sogar noch besser denn je, denn sie klingen wesentlich gemäßigter, tragen trotzdem aber den muffigen Indiepunk an sich, der innerhalb von vier Jahren nicht einmal gewaschen wurde. Und vier Jahre sind eben eine lange Zeit. Entweder gerät man, gerade in der heutigen Zeit, in komplette Vergessenheit oder man muss sich einer hohen Erwartungshaltung stellen. Gewartet haben auf „Blinker“ eine Menge Menschen, soviel ist sicher. Und sie werden nicht enttäuscht werden. Wie erwähnt hat sich textlich nicht viel getan. Noch immer verpackt man eine süße Message, die im Grunde die Welt bedeutet, in annähernd kryptische Texte, die unterlegt sind von einem krachigen Indiesound, der melancholisch wie auch euphorisch den Spirit der Mid 90’s in Sachen Emo geatmet hat und hängt sich damit ganz nah ran an den CAPTAIN PLANET Wagen. Und trotzdem stutzt man, wenn „Blinker“ zum ersten Mal ertönt. Was ist denn da mit der Stimme passiert? Sie klingt nicht mehr so unbesonnen und klar, vielmehr ein bisschen so, als sei man im Stimmbruch gelandet, was aber keinesfalls negativ ist. Vielmehr verleiht der Tonfall dem gesamten Album einen angenehmen, neuen Anstrich, während die Melodien allesamt weiterhin von Verzweiflung und einer Mischung aus Tristesse und dem „weg hier“ getragen sind und so das heimische MATULA-Gefühl heraufbeschwören. Als kleiner Bonus wird dann auch gleich ein tolles Layout geboten, mit hübscher Heile-Welt Ästhetik, die selbstverständlich als repräsentative Ironie für eine der besten deutschen Bands 2010 und der Harmonie, auf einer der besten deutschen Platten 2010 steht. Raphael | | www.allschools.de |  |  |  | | In Your Face | | "Kuddel" war ein absoluter Liebling. Fast ein Everybody's Darling in Herz-Punk-Kreisen. Texte, die zwar leicht kryptisch aber durchaus auch ohne Schlüssel zum Hirn des Singenden zu verstehen waren und Musik, die sich irgendwo zwischen Indie und Post-Punk einordnen ließ. Zusammen ergab diese Mischung ein wunderbar rundes Album, welches zu Unrecht trotz des großen Lobs kaum mit großer Aufmerksamkeit seitens einer breiteren Masse gehuldigt wurde. Nun haben MATULA ihr neues Album auf den Namen "Blinker" getauft. Wo wollen die Jungs aus dem hohen Norden hin? In eine andere Richtung abbiegen und dabei brav blinken? Wer sich das Cover des Albums anschaut wird ahnen: Hier gehts um Meer und Fische und Angeln. Dieser Blinker also. Doch keine Biegung? Doch. "Blinker" ist ein ganzes Stück rauher als sein Vorgänger. Die Gitarren sind nun öfter verzerrt, der Gesang ist, passend zum kratzigen Wind der See, ein wenig rauher geworden. Dazwischen aber auch immer wieder Stücke, die so auch auf "Kuddel" hätten sein können. Aufmerksame Leser dürften spätestens jetzt merken: "Blinker" ist mindestens genauso gut wie "Kuddel". Vielleicht sogar einen Ticken besser, aufgrund des breiteren Hintern in der Hose. Wer eine Hörprobe des leicht erneurten Matula-Sounds haben möchte, dem sei das textlich wie musikalisch exemplarische "Yacht" ans Herz gelegt. Ein Hilfeschrei für jeden. "Karibik! Wo sind die Rettungsschiffe?". "Blinker" könnte eins sein.
| | www.in-your-face.de |  |  |  | | Bizarre Radio | | Das Meer ist weit, das Meer ist blau, im Wasser schwimmt ein Kabeljau. Da kommt ein Hai von ungefähr, ich glaub von links, ich weiß nicht mehr. Das Meer ist weit, das Meer ist blau, im Wasser schwimmt kein Kabeljau. Dieses Gedicht stammt nicht von Matula, sondern meines Wissens nach von Heinz Erhardt. Eine spontane Assoziation zum Motiv des Meeres, der Seefahrt, der Küste, welches die Hamburger auf ihrem zweiten Album gerne und oft benutzen. Mehr aber auch nicht, denn Heinz Erhardts Intention lag darin, die Leute zum Lachen zu bringen, während einem beim Anhören von "Blinker" schon manchmal zum Heulen zumute ist. Traurig ist es geworden, eine Hymne wie "Agenda S.C.H." auf ihrem letzten Album "Kuddel" sucht man vergebens. Das charmante, exaltierte Genöle ist ruhigem Gesang gewichen, die Produktion klingt insgesamt weicher und wärmer. Warme Musik zum kalten Leben. Es steht ihnen wirklich hervorragend, zumal der Grundtenor vom Indiepop mit Punk-Kante verdammt gut dazu passt. Wunderschöne Texte über den Alltagsscheiß, gerade so resigniert, dass man vielleicht die Schultern, aber noch lange nicht den Kopf hängen lässt. Eine gewisse Gleichförmigkeit muss sich "Blinker" am Ende nachsagen lassen, was aber auch bedeutet, dass man auf dem Album kein irrelevantes Füllmaterial finden wird. Und auch wenn das erst in ein paar Monaten zu beurteilen ist, wage ich zu behaupten, dass dieses Album eine lange Halbwertszeit haben wird. Das Meer ist weit, das Meer ist blau. Benedikt Ernst | | www.bizarre-radio.de |  |  |  | | Ox # 90 | | Jo, MATULA hier! Irgendwie etwas aus den Augen oder besser Ohren verloren, freue ich mich nicht nur einfach über ein Lebenszeichen, sondern über ein ganz neues Album, das mich in Gedankn zurückträgt, erinnert an ganze Wochen und Monate, Vergangenheit im Sommer, Herbst, Frühjahr und Winter, an den Soundtrack der Autobahn, der Konzerte im unbekannten Nirgendwo, aber auch an Baggersee und ausgiebigen Bierkonsum. Ob Sänger Thorben allerdings mittlerweile auf Whiskey umgestiegen ist, lässt der Gesang auf "Blinker" nur vermuten. Ein rundes Album, in der logischen Konsequenz von "Kuddel" und den Split-Platten danach und natürlich "matulaesk" in der Kombination aus dem Drive nach vorne und melnacholischem Zurücksehen. So sehr die Frage nach der Austauschbarkeit von MATULA-Songs nahe liegen mag, so wenig würden "Bliner"-Songs auf "Kuddel" passen. Die Reduktion im Gitarrenspiel, die rauhere Stimme, ein weiterer Schritt in Richtung Pop, ohne zu hohe Eingängigkeit, sind eine nicht undeutliche Weiterentwicklung. Und wenn schon. "Over The Top", "Yacht" und "Karaoke" sind einfach nur konsequent und vor allem gut. "Jetzt zähl schon ein!" Demnächst auch in deinem Juze! Christoph Schulz | | www.ox-fanzine.de |  |  |  | | Sellfish | | Im vorprogramm der captain planets' wußten sie die begeisterung nochmal zu untermauern, welche sich meinerseits beim debüt "kuddel" eingestellt hatte. und die vorfreude auf "Blinker" (zeitstrafe/cargo) war dementsprechend groß. nicht nur bei mir. Matula haben sich davon jedenfalls nicht beirren, sondern vielmehr großzügig zeit gelassen. doch keine sorge: für einen immer noch reichlich rauhen feinschliff wurde gesorgt. denn die merkmale des vorgängers sind allgegenwärtig: man könnte also wieder sagen, dass die songmuster oft ähnlich sind, man könnte die sonoren vocals von tobbe kritisieren... oder einfach eingestehen, dass sich hier im schatten diverser hamburg-bands etwas ganz besonderes entwickelt. vielleicht hört man die jawbreaker-einflüsse auf der bühne noch deutlicher heraus. aber matula haben ihre wurzeln im schattigen dickicht zwischen einem dischord-emoverständnis und jawbreaker-harmonielehre geschlagen. von daher: nicht nur sympathisch, sondern viel zu gut für ein nischendasein. nur hätten wir damals tatsächlich die wohnung in hammerbrook genommen, würde das urteil über die platte vielleicht etwas anders aussehen... Michael | | www.sellfish-bmusic.blogspot.com |  |  |  | | Get Addicted | | Vieles liegt scheinbar nahe beim zweiten Album von Matula. Doch beim genaueren Hinsehen, Hinhören und Nachdenken verweigert sich „Blinker“ einer schnellen Zuordnung. Klingt wie Captain Planet – nur mit einem anderen Sänger. Oder? Nee, doch nicht. Dafür klingen Matula doch ruhiger, gemächlicher, melancholischer. Dafür steckt in ihrem Musikmix doch ein Schuss zu viel 90's Emo und eine Ecke zu wenig Punkrock. Für den Vergleich mit Turbostaat fehlt auch die Härte, für einen mit Schneller Autos Organisation fehlt der Achtziger-Anstrich. Und Matula-Sänger Thorben klingt auch etwas nasaler, etwas weinerlicher als die naheliegenden Referenz-Bands. Auch textlich ist „Blinker“ nirgendwo direkt zuzuordnen. Metaphorisch, aber eben nicht kryptisch. Da kann man nicht mal eben ein griffiges Zitat herausgreifen. Dafür ist jeder Song ein zu sehr in sich abgeschlossener Erzähl-Kosmos. Das alles macht „Blinker“ nicht leichter konsumierbar. Dafür sind zu viele Staus und zähfließender Verkehr auf dem Weg. Mühsam am Ziel angekommen ist die Freude und Befriedigung dafür umso größer. Einziger Kritikpunkt: Insgesamt klingt „Blinker“ doch recht gleichförmig. Jens Becker | | www.getaddicted.org |  |  |  | | Uncle Sally*s | | Da haben Muff Potter mit ihrer Auflösung ein angenehm großes Loch gerissen, in dem es sich die nächste Deutsch-Punk-Generation bereits häuslich eingerichtet hat. Matula aus Hamburg wurden ähnlich wie Captain Planet oder Nein Nein Nein bereits gut durchgereicht und erfreuen sich über hiesige JUZe hinaus einer breiten Anhängerschar, der das neue Album „Blinker“ durchaus gefallen dürfte. Matula haben für ihr neues Werk weiter mächtig an den eigenen Trademarks geschraubt: Die Texte sind smart und malen Träume von weit entfernten Welten und nahen Staaten, die Gitarren klingen wie tongewordenes Packeis und bei aller titelgebenden Einsilbigkeit haben die Detektive von Dr. Renz auch das Tanzen nicht vergessen. Sollten die Jungs in Kürze zur Einweihungsparty in ihre neue Bleibe laden, wir wären dabei. Flo Hayler | | www.sallys.net |  |  |  | | Purerock | | Drei Jahre haben sich Matula Zeit gelassen mit dem Nachfolger ihres Debütalbums Kuddel, das uns im Sommer 2007 mit seinem spröden Charme überwältigte. “Wie wollen die das toppen?“ war eine häufige Frage der letzten Monate. Doch müssen sie das überhaupt? Oder sind solch sympathische Bands nicht eh jenseits von Gut und Böse - Over The Top quasi, wie auch der heimliche Hit dieses Albums heißt. Und wie kommt es eigentlich, dass man bei Matula immer von heimlichen Hits spricht? Fällt es so schwer sich einzugestehen, dass diese kleine Kapelle mit schrammeligem Gitarrensound und norddeutsch-nuschelndem Sänger einfach Musik fürs Herz macht? Dabei werden hier eigentlich nur kleine Geschichten erzählt. Nichts besonderes auf den ersten Blick. Doch jede einzelne wunderbar sorgsam erarbeitet und immer mit unglaublich viel Platz für Interpretationen. Auch auf Blinker gelingt es Matula dabei nicht zu sehr abzudriften, aber eben auch nicht zu intim zu werden, wie es anderen deutschen Bands bisweilen passiert. Die Erlebnisse aus Kneipen in Hammerbrook, die Geschichte vom Misanthropen, dem in Böller am Silvestertag nur ein John K. Samson-Zitat hilft oder die Betrachtungen des Friedensnobelpreisträgers Fridtjof Nansen auf seinen Polarexpeditionen. Das alles wird ironisch-nüchtern, aber immer mit einem außerordentlichen Sinn für Sprache und Gefühl erzählt. Frag nicht nach Sonne, frag nach einer Winterjacke. Gebettet sind diese Geschichten in eine Mischung aus 90er-Jahre Emopunk und, man möchte fast sagen, jede Menge Indierock. Mal getragen, mal mit ganz viel Drive nach vorne. Vor allem aber auch hier immer wieder mit dem richtigen Gefühl. Ganz speziell wenn sogar mal ein Schifferklavier dezent zum Einsatz kommt. Oder der rumpelige Chor im letzten Song Karaoke, bestehend aus einem Captain Planet- und Matula-Gemisch, erklingt. Diese Rezeptur aus dem familiären Umfeld des Labels Zeitstrafe hat den deutschen Punkrock in den letzten Jahren ganz schön auf den Kopf gestellt. Und das ist das Schöne daran: es wird weitergehen. Matula werden sich mit dieser tollen Platte weiter den Arsch abspielen. Entgegen der bürgerlichen Angleridylle mit Familienausflug zum See im Artwork dieses Albums, interpretiert man lieber: Blinker raus auf der Autobahn, Kilometer machen, Konzerte spielen, Bier trinken, Herzblut vergießen. Da lässt man sich schon gar nicht vom Urlaubsverkehr aufhalten. Auch dazu haben die Jungs einen Song gemacht. Reisezeit mit Stau auf den Strassen, Sonnencreme im Koffer, die Arbeitsgruppe “Voran in die Sonne“, wie von Sinnen unterwegs - mittendrin, mit Schrammelpunk im Kopf und Leidenschaft im Herzen, Matula. Christian | | www.purerock.de |  |  |  | | Music-Scan | | Die ähnlich gelagerten Grizou aus Berlin sprechen hinsichtlich ihres Sounds von „emotional Punk in a good sense“. Auf MATULA, deren Mitglieder in Kiel und Hamburg leben, trifft diese Charakterisierung auch zu. Gemeint ist ein gleichsam selbstbewusst wie zurückhaltend vorgetragener Rock-Ansatz, der mit Adjektiven wie unpathetisch, charmant, natürlich und berührend zu belegen ist. Zitate aus dem Indie und Emo in seinem ursprünglichen Verständnis treffen auf reflektierte Punk-Strukturen, etwas Post-Hardcore und einen hohen melodischen Gehalt, dem poppige Anmutungen und Hymnen nicht fremd sind. Dabei agieren MATULA in ihrem Songwriting intuitiv und unaufgeregt, jedoch vor allem eindringlich und leidenschaftlich. Das vor drei Jahren veröffentlichte „Kuddel“ brachte dem norddeutschen Quartett viele Sympathien ein. Nun setzt die Band den „Blinker“ und zieht auf die Überholspur. Wer Gruppen wie Raketenhund, Katzenstreik, Turbostaat, Boxhamsters, Muff Potter und die bereits zitierten Grizou mag, sollte MATULA unbedingt antesten. Auch Freunde von Madsen & Co. werden sich auf dem Zweitwerk der Zeitstrafe-Kombo wiederfinden. Die Mischung aus geschickt arrangierten Stücken und persönlichen bis gesellschaftskritischen Texten spricht an und unterhält. „Blinker“ entwickelt sich als gelungene Platte, die heruntergebrochen tatsächlich „emotional Punk in a good sense“ ist. Arne | | www.music-scan.com |  |  |  | | Waste Of MInd | | Zweites Album von Matula - und wieder geht einem bei den ersten Hördurchgängen dasselbe durch den Kopf wie beim Debüt. Etwa die (häufigen) Parallelen zu Captain Planet, die (gelegentlichen) Gemeinsamkeiten mit Muff Potter und die (eher seltenen) Turbostaat-Zitate. Die Tatsache, dass die Band zwar viel Energie und Schwung hat, meist allerdings eher melancholisch zurückhaltend agiert. Die Texte, die zwar berühren, aber selten die Gelegenheit geben, eine ganz bestimmte Zeile fürs nächste Band-T-Shirt herauszupicken - Phasen überlässt man anderen. Und dann natürlich der Gesang - etwas anders als beim Debüt, aber immer noch ungewöhnlich, ein bisschen schräg, ziemlich eigen und bestimmt nicht jedermanns Sache. Einerseits ein Nachteil, weil die Songs dadurch etwas gleichförmig wirken. Und dann auch wieder ein Vorteil, weil Matula eben doch ganz speziell und nicht wirklich wie eine andere Band klingen.
Und überhaupt: Zu Beginn mag das alles noch wenig Ohrwurm-verdächtig sein, aber irgendwann summt man den Opener "Baumarkt" dann doch mit, steigt lautstark bei "Over The Top" ein oder spürt, wie die Traurigkeit von "Böller" mit jedem Durchlauf einer positiven Hoffnung weicht. Unnötig zu sagen, dass "Blinker" auch zu kaum einem anderen Label so gut passt wie eben zu Zeistrafe. Die Ecken und Kanten muss man zunächst einfach akzeptieren - und dann irgendwann in sein Herz schließen. Tito Wiesner | | www.wasteofmind.de |  |  |  | | Alternativmusik | | Blinker setzen und los geht es. Unterwegs sein. Früher raus aus der Langeweile, heute durch ganz Deutschland auf Tour. Man steht lieber mit dem Auto im Stau als mit dem Leben. Matula haben den Absprung geschafft. Aufgewachsen in Neumünster, darf man nun Hamburg oder Kiel als Wohnort nennen. Die Einöde war gut, um die Band zu gründen, weitergeführt wird das Ganze aber besser in der Großstadt. Nach einer 7inch-EP, diversen Split-Singles und dem Debütalbum Kuddel folgt nun das zweite Album der Band: Blinker. Selbstverständlich erscheint das Album wie das Erstlingswerk beim Kieler Label Zeitstrafe, auf dem auch Escapado und Antitainment beheimatet sind. Matula bewegen sich auf Blinker wie gewohnt zwischen Punk, Pop und Emo. Ein wenig verändert wurde die Stimme. Sänger Thorben wirkt etwas kratziger und singt tiefer als zuvor. Anfangs ist das ungewohnt. Hier und da fragt man sich, ob da ein neuer Mann am Mikro steht. Allerdings bedarf es keiner langen Eingewöhnung. Der Charme von Kuddel liegt immernoch unverkennbar in der Stimme und nach wenigen Durchgängen verliebt man sich. Nicht nur in die Stimme. Das Album überzeugt in der Gesamtheit. Vom Anfang bis zum Ende, Lied für Lied. Da steht gar nichts im Stau, ganz im Gegenteil. Der Opener Baumarkt enthält die entsprechende Vorwarnung: „Halt dich gut fest, der Zug fährt schnell.“ Der Zug heißt in diesem Fall Blinker und festhalten sollte man sich eigentlich nicht. Besser ist sich mitreißen zu lassen. Bei einem Song wie Yacht fällt das überhaupt nicht schwer. Eingängige und gleichzeitig treibende Gitarren gepaart mit dem bereits angesprochenen Gesang. Beide finden im Refrain ihren Höhepunkt. „Und diese Wogen hier, glätten unser ein und alles.“ Mit Vollgas ins Herz, Musik die berührt. Die folgenden Songs sind konstant sehr gut. Überragend ist der Dreierblock aus Böller, Hähnekrähen und Over The Top. Letzteres war bereits Teil der Split-EP mit der Mönchengladbacher Band Nein Nein Nein. Matula beweisen auch textlich Stärke. Gefühle und Gedanken werden in die richtigen Worte gefasst. Mal metaphorisch, mal umgangssprachlich, aber immer in den richtigen Bahnen. Talent zum Erzählen und Beschreiben ist ohne Zweifel vorhanden. So fällt es doch sehr schwer Kritikpunkte zu finden. Wenn Musik sich so gut wie Blinker anfühlt, will man das auch gar nicht. Matula haben alles richtig gemacht. Die Ampel steht auf grün. Es ist kein Stau in Sicht. Martin | | www.alternativmusik.de |  |  |  | | Burn Your Ears | | Ein Freund von mir sprach neulich von einer "neuen Szene": junge Menschen, die rote Karohemden und Hornbrillen tragen und dabei CAPTAIN PLANET hörend im Amp in Münster stehen. Ein anderer Freund meinte zwei Tage später „Wenn ich hier noch ein weiteres deutschsprachiges Lied hören muss, drehe ich durch!". Und so kann man sich also wohl vorstellen, dass auch MATULA mit ihrer zweiten Full-Length polarisieren werden. Vermutlich passen sie sehr gut zu den grade erwähnten CPT. PLANET-Hörenden Menschen und auch TURBOSTAAT sind nur eine Deichlänge entfernt. Allerdings haben MATULA weder die Hardcore-Affinität, die ja irgendwie bei CP zu finden ist (und mit denen sie übrigens auch schon eine Split gemacht haben) und die Tanzbarkeit von TURBOSTAAT ist auch nicht so wirklich vorhanden. Und der Gesang klingt – nun ja – schon ein wenig weinerlich. Und genau wie bei den anderen vergleichbaren Bands gibt es auch hier ab und zu Textpassagen, die ziemlich gewollt bedeutungsschwanger klingen. Dennoch haben MATULA das Gefühl eindeutig auf ihrer Seite. So einfach es auch wäre, die Band abzuhaken und sie unter Befindlichkeits-Poprock einzuordnen – so einfach machen sie es einem nun mal einfach nicht. Denn diese leidende, nasale Stimme nimmt den Hörer dann doch irgendwie gefangen. Teilweise eher gesprochen als gesungen erzeugt er doch ziemlich schnell Bilder für's Kopfkino. Und wer auf den Emo der 90iger steht und keinerlei Berührungsängste mit dem Pop hat, kann auch schon rein musikalisch mit den melancholischen Perlen von Songs hier glücklich werden. Unaufdringliche Gitarrenarbeit, die einen Teppich für den treibenden Rhythmus legt, über den dann Emo-Gesang kommt. Nichts Neues, aber dafür ehrlich Gefühltes! Kai | | www.burnyourears.de |  |  |  | | Dosenmusik | | Zeit zum abbiegen. "Matula", das Quartett aus dem hohen Norden, hat mit "Blinker" einen wirklich würdigen Nachfolger von "Kuddel" unter anderem für Fans der Hamburger Schule parat. Aber auch für Freunde der etwas kryptisch angehautschen Deutschrock-Szene. Mit Songs, die sich nicht nur in drei Akkorden erschließen und ihrer eigenen Dringlichkeit folgend, sind "Matula" mit norddeutschem Charme und kryptischen und gelegentlich einsilbigen oder manifestiven Texten in der Republik unterwegs um mittels anstachelnder Drums und einfachen, untermalenden Gitarrenklängen ihre Kunst an das Volk zu bringen. Möglicherweise eine Mischung aus Indie und Post-Punk die "Matula" da zusammengebraut haben. Jedenfalls ist "Blinker" eine gute Portion rauher als sein Vorgänger. Mehr verzerrte Gitarren und rauherer Gesang an den passenden Stellen sorgen für Emotion und Herzblut. In diesem Sinne ist "Blinker" eine gelungene zweite Scheibe für "Matula", die es sich lohnt, anzuhören. Sicherlich mit einigen Verbesserungen im musikalischen wie auch mit textlichen Schmankerln im Vergleich zu "Kuddel" gespickt. | | www.dosenmusik.de |  |  |  | | Gaesteliste | | Matula kommen aus Hamburg und Kiel (ursprünglich Neumünster) und legen mit "Blinker" dieser Tage ihr zweites Album vor. Im Vergleich zum Debütalbum "Kuddel" ist der sympathisch-rumpelige Punksound einen klitzekleinen Tick glatter geworden. Dafür geben Matula auf "Blinker" insgesamt noch einen halben Fuß mehr aufs Gas und die Produktion hat eine ordentliche Schippe Druck draufbekommen. Leider sind auch die absolut großartig geshouteten Punkrock-Chöre, die auf dem Vorgänger in mehreren Stücken zu finden waren - man erinnere sich an das wundervolle "4,8 Mrd" - fast verschwunden. Matula sind auf ihrem Zweitwerk nachdenklicher geworden: Die Parole ist in den Hintergrund getreten, das Geschichtenerzählen, z.B. über den norwegischen Polarforscher Fridtjof Nansen ("Fridtjof Nansen"), über die große Verzweiflung am Leben oder über Menschen in den großen Städten und deren Sorgen ("Hammerbrook", "Böller"), noch mehr in den Vordergrund. Natürlich klingt Sänger Tobbes Stimme noch genauso rotzig wie eh und je und auch auf "Blinker" ist "Scheiße" kein Fremdwort. Es gibt wieder jede Menge Zeilen, zu denen man gerne die Faust in die Luft reißt. "Robert, Thorben, Basti und Stefan sind und bleiben Matula", steht im toll gemachten Booklet des Albums. Deshalb kommt in "Karaoke", der Hymne am Schluss der Platte, doch noch der Punkrock-Chor: "Wir singen weiter, bis Land in Sicht ist". Und das ist gut zu wissen. Felix Maliers | | www.gaesteliste.de |  |  |  | | Got A Nerve! | | In den vergangenen zehn Jahren hat sich im Lager von Matula viel getan. Anfangs fristete die pünktlich mit der Jahrtausenwende gegründete Band ihr musikalisches Dasein im Niemandsland Schleswig-Holsteins, irgendwo in der Abgeschiedenheit. Im Proberaum ließ man sich zunächst Zeit, hier und da ein fertiger Song, hier und da neben dem Abi ein Auftritt. Das Matula-Gefährt wolle einfach nicht richtig in Schwung kommen. Das Leben verschlug die Bandmitglieder schließlich in die nordischen Metropolen Hamburg und Kiel und heute, anno 2010 hat sich neben den persönlichen Werdegängen der Matula-Bande auch musikalisch so Einiges getan. In Sachen Veröffentlichungen war man fleißig, nach der ersten 7-Inch folgten die CD "Knuddel", die Split-12-Inch mit Nein Nein Nein und die Split-10-Inch mit Captain Planet, Planke sowie Mikrokosmos 23. Mit Hilfe des Labels Zeitstrafe hat die Combo aus dem Norden der Republik inziwschen den Rillenteller "Blinker" auf den Mark geschmissen, und wenn ihr diesen Blinker setzt und in Richtung Matula abbiegt, dann erwartet euch bei insgesamt zehn Songs etwas Pop, etwas Punk, etwas 90er-Jahre Emo und deutsche Lyrics, vorgetragen von relativ lässigen entspannten Vocals. Rein textlich wird tief in die rhetorische Trickkiste gegriffen, der Versuch, nicht all zu platt zu klingen, ist in jedem Fall gelungen. Sagen wir mal so, die Jungs haben versucht, die Band auf ein neues Level zu heben und haben dies auch geschafft. Für alle Indie-Jünger in Peter-Pan-Schuhen und (für mich) viel zu engen Hosen, sollten den Burschen aus Neumünster auf jeden Fall ein oder gar zwei Ohren leihen, Sportfreunde Stiller, Tocotronic und andere deutschsprachige Bands mit Indie-Hintergrund lassen grüßen. Nichts für die harte, eher für die ruhige vorsichtige Schule. Stephan
| | www.got-a-nerve.de |  |  |  | | Bierschinken | | Endlich das neue Album von Matula! Der Vorgänger "Kuddel" konnte vor 3 Jahren ziemlich begeistern und lieferte sich fleißige CD-Player-Schlachten mit der zeitgleich erworbenen Captain Planet - ähnliche Musik, ähnlich punkige Emotionalität, aber trotzdem anders umgesetzt. Und beide auf ihre Weise mit das beste, was dieses Land in dem Sektor zu bieten hat. Aber lassen wir diesen oft gelesenen Vergleich erstmal beiseite. Geht ja schließlich nur um Matula hier. Und die haben mit "Blinker" einen wirklich würdigen Nachfolger zu "Kuddel" geschaffen. Indie-Punk bis Post-Punk, melancholisch-nachdenkliche Texte, aber selbstverständlich auch mal krachige Gitarren und der sprichwörtliche Blick nach vorne. Man merkt der Band an, dass sie aus dem Norden kommt. Das macht sich nicht nur im Sound bemerkbar, auch in den Texten wabert immer ein wenig Küstennebel mit. Achja, die Texte. Recht kryptisch gehalten, teilweise müssen Satzfragmente herhalten, um ganze Welten zu erklären. Auch das kennt man von vielen Bands dieses Genres, doch Matula kriegen irgendwie den richtigen Spagat hin zwischen Emotionalität und Punkrock. Eine gewisse Grundmelancholie durchzieht die Platte (Zitat: "Frag nicht nach Sonne, frag nach einem Anorak" in "Friedtjof Nansen"), aber genauso viel Motivation und Hoffnung. Ein Seefahrer würde ja auch nicht mitten auf dem Meer aussteigen. Oder? Mal wieder eine Platte, die sich und den Hörer von Mal zu Mal mehr aufbaut und wohl gerade deswegen so ihre Anlaufzeit braucht. Bei "Kuddel" lief dieser Prozess schneller, "Blinker" ist noch ein Stückchen durchdachter und weniger direkt. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, ein Album für alle Freunde des Genres. Wer Captain Planet mag, Turbostaat, Muff Potter, Duesenjaeger, ClickClickDecker, Herrenmagazin - ach, greift einfach alle zu. | | www.bierschinken.net |  |  |  | | Whiskey Soda | | Matula präsentieren mit 'Blinker' den würdigen Nachfolger zu 'Kuddel'. Matula, der Vierer aus dem hohen Norden, sich in jedem Juze der Nation den Arsch abspielend und dauertourend. Nicht nur rein linguistisch ist der Schritt von Neumünster nach Münster mit gerade drei Buchstaben kein besonders großer, und so lässt sich eine gewisse Nähe von Matula zu Muff Potter nicht leugnen. Doch Matula halten ihre eigenen Markenzeichen, die sie sich anno dazumal auf die Fahnen geschrieben haben, hoch: Texte, die sich eben nicht in drei Akkorden erschließen, mehr Post als Punk, und gehorcht wird auch nur der eigenen Dringlichkeit, keiner von Zeit, Gesellschaft oder öffentlicher Meinung auferlegten. Dem wohnt der norddeutsche Charme inne mit kryptischen, manchmal einsilbigen oder manifestiven Texten, in ein Gerüst aus Gitarrenpunk gehüllt, ganz egal ob das nun von einer Hamburger oder sonst wie gearteten Schule geprägt ist oder nicht. Und weil das alles so verdammt großartig ist, muss man Matula nicht erklären, sondern kann ihnen getrost einen Platz im Herzen einräumen. 'Yacht' ist die so völlig andersartige Urlaubsanekdote, die unaufdringlich daher kommt, sich aber umso vehementer im Unterbewusstsein verankert. Der Opener 'Baumarkt' stiftet dann mal eben Wohlgefallen gen Turbostaat aus Flensburg mit im wahrsten Sinne ausgesprochener Referenz zu 'Nach Fest Kommt Ab'. In dem aus mehr oder weniger ausgeprägter Subtilität wogendem Meer wissen Matula ihren Kahn schon ganz gut über die Wellen zu schippern, und wenn sie in eurem Heimathafen landen – hingehen. Melanie | | www.whiskey-soda.de |  |  |  | | Stageload | | Matula stehen neben Turbostaat und Captain Planet für den typischen, emotionalen Punkrock mit Norddeutscher Attitude, welcher sich in den letzten Jahren in der Szene breit gemacht hat. Nach einem vor knapp drei Jahren erschienen und durchweg hervorragenden Debütalbum mit dem Titel „Kuddel“, einer Split mit NeinNeinNein aus dem Ruhrpott und einer weiteren mit Captain Planet und Mikrokosmos23, erscheint über Zeitstrafe nun das zweite Album mit dem Titel „Blinker“. Gemastered wurde die Scheibe in den Hertzwerk Studios in Hamburg, wo auch schon Jupiter Jones und Montreal ihre Platten veredeln ließen. Die Zeichen, dass auch das zweite Album dieser norddeutschen Jungs mehr als solide sein wird, stehen also gut. Der Opener „Baumarkt“ klingt ab der ersten Sekunde typisch nach Matula: Treibendes Drumming, keine überdrüssigen Riffs, sondern schlichte, einfache Gitarrenuntermalung. Nur eines ist anders: Im Gegensatz zu den letzten Veröffentlichungen klingt die Stimme von Sänger Thorben nicht so bombastisch, eher zurückhalten und kratziger als zuvor. Ein erster Minuspunkt? Keineswegs. Und so hinterlassen die ersten Minuten auf „Blinker“ schon einen Eindruck, der sich gewaschen hat: Ob „Baumarkt“ oder „Fridtjof Nansen“ (wer‘s nicht weiß: Fridtjof Nansen war ein norwegischer Friedensnobelpreisträger), beide Stücke klingen emotional und bestechen durch tiefgängige, überaus durchdachte Lyrics. Wo „Strassen“, im Chorus durch mehrstimmigen Gesang überzeugt, da kommt „Hammerbrook“ mit tollen Phrasen aus, wie zum Beispiel: „Und du bleibst hier stehen, nachts auf S-Bahn-Gleisen. Ein Post-It auf der Stirn; Mit der Bitte um Rückfahrt.“ Vor allem letzteres Stück beweist, das Musik nicht schreiend oder mit übermäßig lautem und schnellen Gitarrenspiel vorgetragen werden muss, um da anzukommen, wo ihr Ziel liegt: Im Kopf und im Herzen. Einen kleinen Vorwurf muss man Matula aber machen, besonders „Hähnekrähen“ klingt doch ziemlich verdächtig nach Captain Planet. Nicht, dass man sich etwas bei den Kollegen von Unterm Durchschnitt etwas abgeschaut hätte, denn Matula klingen noch immer eigenständig, was vor allem mit dem überaus gelungnen und abschließenden „Karaoke“ deutlich wird, aber das Rad wird hier nicht neu erfunden, vieles hat man doch irgendwo schon mal gehört. Und auch dass „Over The Top“ so schon auf der Split mit NeinNeinNein zu hören war, könnte man als Minuspunkt werten. Nichtsdestotrotz, man kann wohl kaum von der Hand weisen, dass „Blinker“ ein vorzügliches, wenn auch recht eingängiges Album ist. Von Vorne bis Hinten, von Hinten bis Vorne stimmig und mit ordentlich Emotion und Herzblut versetzt. So kann man zum Schluss nur sagen, dass Matula auch mit ihrem zweiten Album voll und ganz überzeugen. Der Blinker wurde also eindeutig in die richtige Richtung gesetzt. Patrick Siegmann. | | www.stageload.org |  |  |  | | Trust # 142 | | Obwohl Matula schon zur dritten Generation dieser sogenannten intelligenten, emotionalen, deutschsprachigen Punkbands gehören, beweisen die Hamburger mit ihrem zweiten Album, dass es noch Raum für eigene Definitionen innerhalb dieses längst festgefahrenen Genres gibt. Klar, Matula liefern auch nur diese Kombination von Gitarre/Bass/Schlagzeug/Gesang und Texten, die intelligent klingen, nach genauerer Betrachtung die Bedeutung aber völlig unklar bleibt. Im
Gegensatz zu anderen Vertretern trägt Blinker eine Popkomponente mit sich, die Gitarren sind schrammelig, zeitweise schielen sie gar in Richtung Strokes. Der Zugang zu Matula fällt anfangs ungewohnt schwer, da sich das Level des gesamten Albums auf einer Ebene bewegt, fast eine gewisse Eintönigkeit aufzeigt. Bei Matula klingt der D.C. Einfluss in den Songs weniger durch: Hier treffen keine schnellen auf langsame Parts, hier wird nicht geschrien und im nächsten Moment geweint, genauso wenig wie Songs leise beginnen und sich steigern. Der Spannungsverlauf wird lediglich über den Gesang und die Melodien aufgebaut. Der schräge, gefasste Gesang dabei klingt nichtmal nach einem großen Sänger, aber
kaum eine andere Stimme könnte die Wirkung der Songs besser unterstreichen. Matula distanzieren sich damit trotz ausgeprägten Popeinflüssen angenehm von der Indiedisco. (benni) | | www.trust-zine.de |  |  |  |
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